Seit einigen Wochen hat sich in unserer Gegend unweigerlich der Frühling angekündigt. Die offensichtlichsten Zeichen sind lautes Vogelgezwitscher, grösser werdende Blütenknospen und das überall spriessende frische Gras.

Auch in unserer Hühnerschar machen sich Frühlingsgefühle breit, doch leider eher bei den Hähnen als bei den Hühnern. Während die Hennen zwar munter Eier legen, mittlerweile liegen etwa 4-6 Eier pro Tag im Nest, scheinen die Hähne einen Wettbewerb entwickelt zu haben, wer die Hennen am härtesten treten kann. Bei drei Hähnen auf sieben Hennen hat sich leider ein zu krasses Missverhältnis eingestellt.

Die schwächsten Hennen haben schon deutliche Zeichen von Federverlust am Rücken und die rabiaten Dreifachtretereien haben uns dazu bewogen, einen Schritt zu gehen, den wir bisher aus Tierliebe und mangender Erfahrung nicht gewagt haben zu gehen: Ein Hahn, oder besser zwei Hähne sollten weg.

Dank gewisser Schlachtanleitungen bei Youtube und wegen nicht vorhandener Schlachterfahrung in der Nachbarschaft, musste ich die Schlachtung  selber angehen. Doch welcher Hahn sollte es sein?? Nummer eins wollte ich belassen, da ich keine neuen Rangkämpfe provozieren wollte, war also die Frage Nummer zwei oder Nummer drei?

Der Morgen sollte es zeigen. Bei Sonnenaufgang war ich fest entschlossen die Tat zu vollbringen. Zuerst liess ich die Hühner ins Grüne, sie sollten nochmal was essen bevor sie ihren Kameraden verlieren würden. Nebenher machte ich ein kleines Lagerfeuer, auf dem der Topf zum Abbrühen zu stehen kam. Ausserdem brauchte ich Messer, Knüppel und Axt, sowie zwei Eimer, einen Stuhl und ein Handtuch. Ich beobachtete meine drei Hähne noch eine Weile, bevor ich mich für die sogenannte Nummer zwei entschied. Er war genauso schön wie die anderen beiden, aber etwas aufmüpfiger und rabiater im Verhalten, zumindest an diesem Morgen.

Nun trieb ich die Herde wieder in ihre Hütte und holte den Todeskandidaten aus dem Häuschen heraus. Ruhig klemmte ich ihn unter der linken Arm und bedeckte den Körper vorsichtig mit einem Küchentuch, damit ich ihn besser halte konnte. Zwei mal noch gestreichelt und gut zugesprochen, dann nahm ich den Knüppel und gab ihm erst einen, dann einen zweiten Schlag auf den Hinterkopf, sodass er betäubt war. Nun brachte ich den leicht röchelnden, aber entspannten Hahn zum Spaltklotz, hielt Kopf und Hals auf die Holzfläche, nahm die Axt, jetzt gab es kein zurück mehr, und hieb ziemlich fest zu, sodass das Rückgrat komplett durch war und nur am Hals ein kleiner Fetzen den Kopf am Körper hielt. Das Tier flatterte noch eine halbe Minute, während ich es in den bereitgestellten Eimer hielt, wo es ausblutete und schliesslich zur Ruhe kam. Mein Puls war immer noch auf 120, doch als die letzten Zuckungen zu Ende waren und der Kopf vom Rumpf getrennt, beruhigte auch im mich wieder.

Nun galt es den Hahn zu rupfen, dafür schwenkte ich ihn in dem mittlerweile dampfenden Kochtopf und fing dann an erst Brustfedern, dann Bein-, Flügel- und Schwanzfedern auszurupfen. Dies ging alles sehr gut und war auch etwas meditativ und beruhigend, nach der bluttriefenden Vorarbeit. Der schöne Hahn verwadelte sich zusehends in ein gerupftes Hühnchen.

Nachdem alle Federn entfernt waren, verliess ich den Schauplatz und begab mich in die Küche, um das Tier ausznehmen. Zuerst wurde der Hahn gründlich gewaschen, abgetrocknet, abgeflammt, wieder gewaschen und getrocknet und dann versuchte ich mich am Ausnehmen. Dies gestaltete sich aufwändiger als gedacht. Zeitweise zweifelte ich an der richtigen Vorgehensweise, aber die Anatomie des Hahnes lehrte mich die richtige Technik. Dass der Hahn sich schon vollgefressen hatte, zeigte der riesige Kropf, an den ich gar nicht gedacht hatte und der fast tennisballgross am Hals lag. Auch das viele glitschige Fett und die beiden recht grossen Hoden haben mich erstaunt. Man fühlt ja erst die Innereien, bevor man sie sieht…

Wie auch immer, nach einer Stunde sezieren und Wühlerei, war auch schliesslich die Lunge draussen und ich konnte den Hahn ausspülen und einpacken. Mit etwa 2.5 kilo Gewicht ein ordentlicher Braten, der allerdings erst noch in die Tiefkühltruhe musste und seitdem seiner Widerauferstehung harrt. Unsere Katzen konnten seitdem schon mal vortesten, denn sie verschlangen sichtlich genussvoll das Herz und den Magen, sehr zartes Muskelfleisch, dass der ein oder andere als Delikatesse schätzt.

Mit eine paar Tagen Abstand vom Geschehen muss ich sagen, das es keine einfache Entscheidung war. Die beiden übrig gebliebenen Hähne sind nun stärker aufeinander fixiert und scheinen die neue Hackordnung untereinander auszuhandeln. Die Treteri hat nachgelassen und die Hennen können sich nun meist befreien, bevor der zweite Hahn aufspringen kann. Doch auf mittlere Sicht wird auch der zweite Hahn weichen müssen, evt. kommt er sogar mit dem Leben davon, wenn wir ein neues zuhause für ihn finden..

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